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Ashihara
Karate ist eine Symbiose aus Kyokushinkai und Aikido. Grundlegendes
Merkmal dieser Stilrichtung sind die kreisförmigen Ausweichbewegungen
(Tai-Sabaki). Während der Kampf im Shotokan meist auf einer geraden
Achse vor und zurück verläuft, bewegt man sich im Ashihara Karate
kreisförmig um den Gegner, damit man einen taktischen Vorteil erlangt.
Der Verteidiger weicht nicht zurück, sondern bleibt am Mann und
versucht in dessen toten Winkel zu kommen. Mitunter wird auch die
Kraft des Angreifers genutzt und der Gegner auf eine Kreisbahn gebracht
und geworfen.

Morehei
Ueshiba (1883 - 1969)
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Morehei
Ueshiba ist der Begründer des Aikido, das aus älteren
Jiu-Jitsu Stilen hervorgegangen ist. Nach der Teilnahme am
russisch-japanischen Krieg, bei dem er wegen besonderer Tapferkeit
ausgezeichnet wurde, entwickelte sich Ueshiba zu einem sehr
friedfertigen Menschen:
"Ein
wahrer Krieger ist unbesiegbar, weil er den Kampf ablehnt."
Er
verfeinerte die Techniken und erweiterte den philosophischen
Überbau durch religiöse Elemente des Shintoismus.
Eine Besonderheit des Aikido ist, dass es relativ wenige Angriffstechniken
besitzt und mehr Gewicht auf den defensiven Part legt:
"Der
wahre Weg des Budo besteht nicht allein darin, den Feind unschädlich
zu machen,
sondern vielmehr darin, ihn so zu führen, dass er freiwillig
seine feindliche Einstellung aufgibt!"
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Masutatsu
Oyama (1923-1994)
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Der Koreaner
Masutatsu Oyama (1923-1994) schuf als Ableitung des Goju-Ryu
die einzige traditionelle Karatestilrichtung, in der die Techniken
im Wettkampf nicht abgestoppt werden. Nachdem er sich zunächst
mit anderen Kampfsportarten wie dem Judo befasst hatte, ging
Oyama für kurze Zeit bei Funakoshi (Shotokan) in die Lehre,
konnte aber mit dessen defensiver Interpretation des Karate
wenig anfangen. Er spottete öffentlich:
"Funakoshi
ist nicht in der Lage, etwas anderes als Gymnastik zu unterrichten."
Später
wechselte er zu Chu Sonei, der seinerseits direkter Schüler
des Oberhauptes der japanischen Linie des Goju-Ryu, Gogen
Yamaguchi war. Nachdem sich Oyama über ein Jahr zu Meditation
und hartem Training in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen
hatte, propagierte er schließlich seinen eigenen Stil. Er
nannte sein Karate Kyokushinkai. Der Begriff bedeutet in etwa
"Karate der größtmöglichen, wirklichen Vereinigung (aller
Kräfte)".
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1951
ist das Jahr der Initiation dieses Stils. Um sein Karate populär
zu machen, startete Oyama 1952 einen in dieser Form früher undenkbaren
Werbefeldzug. Er reiste kreuz und quer durch die USA und kämpfte
gegen Judoka, Thai-Boxer, Ringer, Catcher und Boxer. Er lehnte keine
Herausforderung ab und konnte alle seine Kämpfe in kurzer Zeit gewinnen.
Durch spektakuläre Bruchtests bewies er die vernichtende Wirkung
seiner Karatetechniken.
Trotz
der exzessiven Betonung der physischen Seite der Kampfkunst legte
Oyama stets sehr großen Wert auf die enge Verbindung zum Zen-Buddhismus,
zum Taoismus und zum Shintoismus. Gerade der Kampf und die ihm innewohnende
Gefahr wird als entscheidende Bewährungsprobe für den Budoka verstanden.
Ganz im Sinne des Konfuzianismus besteht das Ziel des Karate vor
allem darin, einen für die ideale Gesellschaft wertvollen Menschen
zu schaffen:
"Die
Kampfkünste wurden erdacht um Siege zu fördern, daher erfordern
sie Rivalität. Doch gleich wie stark der Rivale auch ist, der Gerechte
wird immer siegen. Davon bin ich überzeugt. Demzufolge muss Karate
eine gerechte Kunst sein. Menschliche Wesen, die diesen Namen auch
verdienen, sollten gewillt sein, Gemeinheit durch Gerechtigkeit
zu bekämpfen, und dies bis zum Tode, falls es nötig sein sollte.
Ohne diesen Willen, in dieser Weise für die Gerechtigkeit einzustehen,
was wäre das Leben noch wert? ... Die höchsten Dinge, die man aus
einem Kampf auf der Grenzlinie zum Tod erfahren kann, sind Gerechtigkeit,
Höflichkeit und der WEG. Und das Erreichen dieser drei Dinge bedeutet
einen gewissen Sieg. Im Vergleich dazu sind Ruhm und Geld ohne Bedeutung."
Kyokushinkai
versteht sich selbst als ultimativer Test der eigenen Belastbarkeit.
Berühmt und berüchtigt sind Trainingsformen wie das 100 Mann Kumite
(Hyakunin-Kumite). Dabei muss der Kämpfer 100 Runden a 2 Minuten
im Vollkontakt ohne Schützer durchstehen und mindestens die Hälfte
aller Kämpfe gewinnen. Würde er nach 99 Kämpfen KO gehen, würde
der Test als nicht bestanden gelten. Schlägt er einen Kontrahenten
mit Ippon (Knock-Down), endet die Runde vorzeitig - und die nächste
beginnt. Im Schnitt dauert ein erfolgreiches 100-Mann Kumite etwa
4 Stunden!
Die
Idee geht auf die Legende um den Schwertmeister Yamaoka Tesshu (1836
- 1888) zurück, der 100 Kämpfe mit dem Shinai (Bambus-Schwert) hintereinander
gewonnen haben soll. Masahiko Kimura (1917 - 1992), erfolgreicher
Judoka und enger Freund Oyamas, soll sogar an zwei aufeinander folgenden
Tagen jeweils 100 Danträger im Judo besiegt haben. Oyama nahm diese
Idee auf und absolvierte an drei aufeinander folgenden Tagen jeweils
ein 100-Mann Kumite - und verlor kein einziges Mal! Selbst wenn
man bedenkt, dass er es "nur" mit seinen eigenen Schüler aufnehmen
musste, eine ungeheure Willensleistung. Damit war eine Trainingsform
geschaffen, die zu Recht als ultimativer Test für Kampfgeist
und Durchhaltewillen gilt. Der erste Europäer, der ein 100-Mann
Kumite erfolgreich absolvierte, war der Brite Steve Arneil.
In
Japan ist Kyokushinkai wesentlich bekannter, als Shotokan. Hier
wird nicht abgestoppt, sondern wirklich gekämpft - und das
gefällt der breiten Masse. Trotz seiner Popularität brach
der Stil nach dem Tode Oyamas auseinander. Immerhin ging es auch
um eine Menge Geld. Zwischenzeitlich gab es nicht weniger als 10
verschiedene International Kyokushin Organisations (IKOs), die alle
für sich die Stilnachfolge beanspruchen. Zahlreiche Kyokushin
Schüler entwickelten darüber hinaus eigene Interpretationen
die sich zum Teil nur marginal voneinander unterscheiden.
Alle
Kontakt-Karate Schulen bewerten den Kampf jedoch höher, als
die Kata. Nach
der Logik der Kampfkünste muss der Körper an seine Grenzen
gehen, um den Geist zu fördern. Nur unter dieser Prämisse mach der
Wettkampf im Vollkontakt ohne Schützer überhaupt Sinn. Michel Wedel,
Kyokushin-Wettkämpfer unserer Tage, drückte es so aus:
"Einen
Kampf gewinnen zu wollen ist lediglich wichtig, um ein Ziel vor
Augen zu haben. Es ist eine Motivation für das Training und
für das Denken, die Voraussetzung für die Entwicklung
von Körper und Geist. Der persönliche Einsatz ist dabei
wichtiger als der Sieg selbst. ... Die Essenz des Kämpfens
ist nicht das Gewinnen, sondern der Wille, alles zu geben und besser
zu sein, als man es selbst für möglich gehalten hätte."
Zweifellos
erhöht die Aussicht auf eine reale Auseinandersetzung mit einem
starken Gegner die Ernsthaftigkeit des Trainings. Da
es nicht darum geht, den Gegner auszupunkten stehen sich die Kontrahenten
oft im offenen Schlagabtausch gegenüber. Der Kyokushin-Kämpfer muss
daher sowohl geben, als auch nehmen können. Kritiker bemängeln,
dass der Kampf im Kyokushinkai unrealistisch sei, da die Faust zum
Kopf verboten ist. Außerdem würde nicht der technisch bessere Kämpfer,
sondern der Fighter mit den besseren Nehmerqualitäten gewinnen.
Aber offensichtlich war es notwendig, die Karatewelt mit dem Phänomen
"Schmerz" vertraut zu machen, um diese Kampfkunst auf ein höheres
Niveau zu bringen.
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Hideyuki
Ashihara (1944 - 1995), ein Schüler Oyamas, hatte vermutlich
wenig Lust, sich ständig treffen zu lassen und den Schmerz
mannhaft zu ertragen. Er kam auf die schlaue Idee, dass es
auf Dauer besser sei, einfach nicht da zu sein, wenn der Gegner
angreift.
Obwohl
alle traditionellen Karate-Stilrichtungen immer wieder den
defensiven Character ihrer Kunst betonen, liegt das Hauptaugenmerk
im Wettkampf ganz klar auf dem Angriff. Hideyuki Ashihara
war der erste Großmeister, der sein System auf der Verteidigung
aufbaut.
Um besser
kontern zu können, bemühte er sich trotzdem, bei allen Aktionen
nah am Mann zu bleiben und in dessen toten Winkel zu gelangen.
Er übernahm Elemente des Aikido von Morehei Ueshiba (1883
- 1969) und schuf ein hartes System, das auf kreisförmigen
Ausweichbewegungen basiert. Der Stil wird nach ihm Ashihara-Karate
genannt.
Hideyuki
Ashihara war sich der Notwendigkeit der Bereitschaft zur ständigen
Weiterentwicklung bewußt:
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Hideyuki
Ashihara (1944 - 1995)
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"Heute
haben wir das Fernsehen und sind daher in der Lage, alle möglichen
Kampfkünste zu sehen. Inzwischen weiß jeder, dass schnelle
Fußarbeit und flexible Körperbewegungen zum Gewinn eines
Kampfes zwingend erforderlch sind. Das versetzt uns mitten in ein
Zeitalter der technischen Revolution in den Kampfkünsten. ...
Ich glaube, das das Erbe der alten Meister gut ist und bewahrt werden
sollte, aber es sind die Karate Experten unserer Tage, die dafür
verantwortlich sind, durch ihr Studium, ihr Denken und ihr Training
neue Techniken zu entwickeln, die unserer Zeit entsprechen und die
in einem echten Kampf funktionieren."
Dieser Logik
gehorchend entwickeln sich moderne Kyokushin Interpretationen wie
Kyokushin Budo Kai (Jon Bluming), Shidokan (Yoshiji Soeno) und Kudo
Daido Juku (Jukucho Azuma Takashi) immer weiter Richtung Mixed Martial
Arts (MMA); Schlagen, Treten, Werfen, Hebeln und Würgen werden
gleichermaßen trainiert.
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