Typisch für das Boxen ist - zumindest seit Einführung der Queensberry Rules - der alleinige Gebrauch der Fäuste. Da sich das gesamte Training nur auf diesen einen Aspekt des Kämpfens bezieht, kann man davon ausgehen, dass Boxer in dieser Hinsicht allen anderen Kampfsportlern überlegen sind. Das Boxen wurde schon im alten Ägypten praktiziert und blickt somit auf eine mindestens 3.000 Jahre lange Geschichte zurück. Wenn man bedenkt, dass es seit dieser Zeit prinzipiell nur im Vollkontakt betrieben wurde, erklärt sich die enorme Effektivität der wenigen, bis heute verwendeten Grundschläge (Gerade, Seitwärtshaken, Aufwärtshaken).

 


Abbildung auf einer antiken griechischen Vase

 


Max Schmeling (1905 - 2005)

Das Boxen der Moderne hat stetz ein großes Publikum gefunden. Vielfach haben ganze Nationen ihr Selbstwertgefühl mit dem Erfolg oder Mißerfolg ihres Boxers verknüpft.

Früher stritten vor allem Engländer und Franzosen, später Engländer und Amerikaner um die Vorherrschaft im Ring. Aus Deutscher Sicht sind natürlich auch die großen Kämpfe von Boxlegende Max Schmeling gegen Joe Louis zu nennen.

Bis heute gilt Max Schmeling als der beliebteste Sportler Deutschlands. Diese ungebrochene Popularität hängt nicht nur mit seiner sportlichen Leistung, sondern auch mit seinem untadeligen Verhalten während der Nazidiktatur zusammen. Er war wirklich ein großer Sportsmann im besten Sinne des Wortes.

Ungeachtet seiner aristokratischen Wurzeln im England des 17. Jahrhunderts wurde das Boxen in Deutschland zu einer typischen Arbeitersportart.

Von Bertolt Brecht wird berichtet, er habe selbst regelmäßig die Handschuhe angezogen. In der Literatur finden sich zahllose Arbeiten, die sich mit dem Boxen befassen. Die Autoren schwanken zwischen Faszination für den ehrlichen Kampf Mann gegen Mann und Abscheu vor der brutalen Gewalt. Trotz des Ruhmes einzelner Boxer wurden die Sportler, die sich freiwillig mit der Faust ins Gesicht schlagen lassen, oft belächelt...

Die in Köln im Jahre 1928 entstandene Aufnahme der beiden Boxer Paul Rodersten und Hein Heesevon August Sander ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Die immer wiederkehrenden Todesfälle im Ring haben nicht gerade dazu beigetragen, dieses zwielichtige Image des Boxens nachhaltig zu verbessern. Da die überwiegende Mehrzahl der Schläge zum Kopf geht, und der KO - also ein schweres Schädel-Hirn-Trauma - nach wie vor das Ziel aller technisch-taktischen Handlungen im Boxen ist, wird sich daran vermutlich auch in Zukunft nichts ändern.

 

Ob Boxen überhaupt ein Sport ist, kann vor diesem Hintergrund durchaus kontrovers diskutiert werden. Die Effektivität der Techniken ist hingegen über jeden Zweifel erhaben. Die Geschichte der Pugilistik ist so oft erzählt worden, dass wir dem Leser eine weitere Wiederholung ersparen wollen. Allerdings sollte man festhalten, dass es sich im Unterschied zur Geschichte der fernöstlichen Kampfkünste um eine Geschichte von Kämpfern handelt - nicht von Lehrern (Sensei). Zwar kann man auch hier unterschiedliche Stile oder Schulen unterscheiden, aber dabei handelt es sich meist um die persönlichen Vorlieben eines Boxers.

 


Muhammad Ali (geb. 1942)

Vielfach unterteilt man die Kämpfer in "Boxer" und "Fighter". Als Boxer bezeichnet man dabei mißverständlicher Weise den technisch versierten Konterboxer, von dem es mehrere Typen gibt:

Der typische Amateur hält die Distanz groß, weicht den Angriffen des Gegners mit einer schnellen Beinarbeit aus und kontert zumeist mit geraden Schlägen. Dabei ist der Jab mit der Führhand der entscheidende Schlag, mit ihm wird der Gegner hauptsächlich auf Distanz gehalten und ausgepunktet. Wird die Schlaghand als Gerade nachgezogen, nennt man das Eins-Zwei-Kombination (Jab / Punch).

Diese Art zu Kämpfen wird als "Stick and Move" bezeichnet. Ein typischer Vertreter dieser Kampfweise war der unvergessene Muhammad Ali, der seinen Stil folgendermaßen umschrieb:

"Float like a butterfly - sting like a bee".

 

Dem Karate am nächsten kommt "In and Out". Der Boxer vertraut auf bewegliche Beine, schlägt selten mit der Führhand, sondern wartet auf eine Gelegenheit zum Gegenangriff, bei dem überfallartig in der Halbdistanz eine Kombination angesetzt wird, bevor er wieder in die "Distanz" zurückweicht. Der Stil ist i.d.R. am geeignetsten, wenn der Gegner sowohl größer als auch stärker ist. Sven Ottke demonstrierte diesen Stil par excellence.

Diese Art zu Boxen gilt allerdings als wenig spektakulär, weil der Springer sich wohl ein Pünktchen klaut, aber nicht wirklich ansetzt, um seinen Gegner K.O. zu schlagen. Und das ist es, was die Masse der Zuschauer sehen will. Die Gaffer wollen den Schlag voll in die Fresse und nach Möglichkeit noch eine ordentliche Portion Blut. Die technische Rafinesse beim rein-raus verstehen die wenigsten.


Sven Ottke (geb. 1967)

 

Im Profigeschäft wird hingegen vermehrt aus der reinen Oberkörperbewegung gekontert. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die bewegliche Beinarbeit für 12 oder gar 15 Runden viel zu Kräftezehrend und zum anderen ist die Schlagwirkung nah am Mann entsprechend größer. Im Gegensatz zum Amateur sucht der Profi den KO. Dabei befindet sich der Kämpfer meist in der Halbdistanz, Hauptwaffe ist dementsprechend der Haken. In den USA nennt man eine solche Kampfweise "To give angles".

 


Mike Tyson (geb. 1966)

Der Fighter ist demgegenüber ein reiner Angriffskämpfer, der meist den offenen Schlagabtausch sucht. Auch hier gibt es unterschiedliche Typen.

Der "Pressure Fighter" zeichnet sich durch eine enorme Schlagfrequenz aus. Er deckt seinen Gegner förmlich mit Schlägen ein.

Als "Puncher" bezeichnet man demgegenüber Kämpfer mit einer besonders ausgeprägten Schlaghärte, die einen Gegner mit einem einzigen, akzentuierten Treffer KO schlagen können.

Gefürchtet wie kaum ein anderer Boxer war zu seiner Hochzeit "Iron" Mike Tyson. Im Gegensatz zu seinem Image als tumber Totschläger war er ein technisch versierter Boxer. Ihm wurde jedoch zum Verhängnis, dass man zwar den Boxer aus dem Ghetto, nicht aber das Ghetto aus dem Boxer bekommt.

 

Ein Angriffsboxer benötigt neben einer ausgezeichneten Kondition vor allem gute Nehmerqualitäten. Bei alten Boxern kann man oft am Gesicht erkennen, ob er ein "Boxer" oder ein "Fighter" war.

Die Spitzenkämpfer zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie unterschiedliche Stile adaptieren können. Manche wechseln sogar mitten im Kampf die Auslage! So auch Marvin "Marvelous" Hagler, dessen unvergessener Fight gegen Tommy Hearns als einer der besten Kämpfe der Boxgeschichte zählt.

 

 

 


Marvin Hagler bezwingt Tommy Hearns

 

 

Es gilt die Grundregel "box the fighter - fight the boxer".

Eine weitere, wesentliche Unterscheidung besteht zwischen Amateuren und Profis. Die Regeln für den Amateurboxsport, bei dem im Gegensatz zum Profiboxen der sportliche Vergleich eher im Vordergrund steht, werden von der AIBA, dem Weltverband des Amateurboxsports festgelegt. Diese Regeln sind zugleich die Grundlage für das Boxen als olympische Disziplin. Die Amateure kämpfen 3 x 3 oder 5 x 2 Minuten und mit Kopfschutz. Ein KO ist dementsprechend verhältnismäßig selten.

Die in der Vergangenheit oftmals skandalösen Urteile der Ringrichter versuchte man durch die Einführung von Boxcomputern zu objektivieren. Beim Zählen per Boxcomputer, der auch als Boxpointer bezeichnet wird, werden nur die korrekt angebrachten Treffer gewertet. Jeder Punktrichter betätigt einen Knopf, wenn er einen Treffer gesehen hat. Macht die Mehrheit der Richter (mindestens 3 von 5) dies innerhalb einer Sekunde, wird ein Punkt gegeben. Damit die Punktrichter die Aktionen auch mitbekommen, schlagen die Amateurboxer daher vor allem akzentuierte Einzelschläge oder kurze Kombinationen. Es dominieren gerade Fauststöße.

Die Profis kämpfen bis zu 15 Runden. Hier schlägt die Kondition eindeutig die Technik. Die Bewegungen sind ökonomischer, die Distanz ist kürzer, die Schläge härter. Der Oberkörper pendelt stärker. Es werden längere Serien geschlagen, und die Nehmerqualitäten des Kämpfers werden stärker gefordert. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich beim Profi-Boxen in erster Linie um ein Geschäft handelt. Die Promoter wollen Geld verdienen und auch bei Sportwetten werden erhebliche Beträge eingesetzt. Dementsprechend wird beim Profi-Boxen mit allen fairen und unfairen Mitteln gearbeitet. Geschobene Kämpfe sind keine Seltenheit.

 

 

zurück zum TKC Niederkrüchten / Birth
Links zu befreundeten Vereinen

 



Diese Seite ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere Nutzung und Reproduktion ohne Zustimmung des Autors ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt.

All contents © copyright 2000 - 2010 · Collin F. KAEMMER · All rights reserved.